In seinem Interview mit der HAZ stellt Niedersachsens Gesundheitsminister Philippi altbekanntes medizinisches Wissen als neue Erkenntnisse dar. So sei Frauenmedizin lange vernachlässigt worden, und geschlechterspezifische Medizin müsse verbindlich in der Ärzteausbildung verankert werden. Aktuelle Probleme wie die hohe Belastung der Praxen durch zu häufige Arztbesuche erkennt er zwar, blendet aber bei seinen Lösungsansätzen die zugrunde liegende Problematik aus.
Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, Abgeordneter (fraktionslos) der WerteUnion im Niedersächsischen Landtag:

„Dass Frauen und Männer unterschiedliche Symptome bei einem Herzinfarkt haben, ist seit Jahrzehnten bekannt und wird selbstverständlich an allen medizinischen Fakultäten gelehrt. Wenn ein ehemaliger Herzchirurg altbekannte Fakten als neu präsentiert, wirft das ernsthafte Fragen an seiner fachlichen Kompetenz auf. Als Minister gibt er auch kein besseres Bild ab. Jahresabrechnungen und jährliche Kontrolluntersuchungen für chronisch Kranke mögen diskussionswürdige Ansätze sein. Dabei ignoriert der Minister aber vollständig die strukturellen Fehlanreize, die zu häufigen Arztbesuchen führen: Die Kassenärztlichen Vereinigungen rechnen vier Mal im Jahr ab. Solange dieses verkrustete Abrechnungssystem weiterbesteht, werden Arztpraxen dauerhaft überlastet sein. Statt aber die wahren Ursachen anzugehen, wirft Minister Philippi Nebelkerzen, die von den grundlegenden Problemen ablenken. Seine Scheinlösungen sind weder sachlich korrekt noch hilfreich. Sie zeigen, dass er die Realität in den Praxen nicht versteht und seiner Verantwortung als Gesundheitsminister nur unzureichend gerecht wird.“

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