Wenn Migranten mit kriminellem Hintergrund psychische Störungen attestiert werden, sorgt das in der Öffentlichkeit regelmäßig für Aufregung. Meine Anfragen (Drucksachen 19/7843 und 19/8339) legen mögliche systemische Ursachen offen.
Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, Abgeordneter (fraktionslos) der WerteUnion im Niedersächsischen Landtag:
„Die Landesregierung gibt jährlich 3,257 Millionen Euro für die Förderung des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge aus. Mit diesen Mitteln werden unter anderem Qualifizierungsprogramme für Dolmetscher in der Psychotherapie bezuschusst. Allerdings gibt es keine anerkannten Abschlüsse und überprüfbaren Fachqualifikationen. Sprachliche Präzision, Kenntnisse psychiatrischer Terminologie, interkulturelle Kompetenz – all das bleibt bislang unzureichend berücksichtigt. Besonders gravierend: Für viele benötigte Sprachen, insbesondere aus dem arabischen und afrikanischen Raum, findet sich in der Justizdatenbank in Niedersachsen kaum ein Dolmetscher. Wer anderweitig ausgebildet ist, ist jedenfalls nicht gerichtlich anerkannt. Damit sind gerade jene Sprachen unterversorgt, die in der psychiatrischen Praxis am dringendsten benötigt werden. Ohne qualifizierte Sprachmittlung droht aber, dass möglicherweise kulturell geprägte Äußerungen – etwa das Hören von Stimmen – als Schizophrenie missverstanden werden. So könnten Menschen fälschlich als psychisch krank eingestuft werden, obwohl es sich um kulturell erklärbare Ausdrucksformen handeln könnte. Darunter leidet das Vertrauen in den Rechtsstaat. Die Landesregierung fördert halbgare Projekte, statt echte Qualitätssicherung im Hinblick auf transkulturelle Aspekte psychischer Erkrankungen zu schaffen. Niedersachsen braucht einen verbindlichen Dolmetscherpool mit geprüfter Fach- und Kulturkompetenz sowie Transparenz in der Auswahl.“