Nach der Veröffentlichung aktueller Organspendenzahlen durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation wirbt Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi erneut für die Einführung der Widerspruchslösung. Trotz eines Anstiegs auf 985 Organspenderinnen und Organspender im Jahr 2025 – das ist der höchste Wert seit 2012 – hält Philippi die bisherige Zustimmungslösung für gescheitert und fordert eine rasche gesetzliche Neuregelung. Künftig soll jeder Bürger automatisch als Organspender gelten, sofern er nicht ausdrücklich widerspricht.

Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, Abgeordneter (fraktionslos) der WerteUnion im Niedersächsischen Landtag:

„Was Minister Philippi hier erneut präsentiert, ist keine Lösung, sondern politischer Aktionismus auf dem Rücken eines hochsensiblen ethischen Themas. Die Widerspruchslösung bedeutet einen stillschweigenden staatlichen Anspruch auf den menschlichen Körper – es sei denn, der Bürger widerspricht aktiv. Dieses Modell kehrt das Prinzip der Selbstbestimmung um und ist mit einem freiheitlichen Menschenbild unvereinbar. Diese Debatte wird seit Jahren geführt. Die Argumente liegen auf dem Tisch. Dass Minister Philippi sie nun erneut aufwärmt, ist kein Ausdruck neuer Erkenntnisse, sondern der Versuch, politische Handlungsfähigkeit zu demonstrieren, wo strukturelle Probleme ungelöst bleiben. Organspende ist und bleibt eine zutiefst persönliche Gewissensentscheidung. Sie darf nicht durch gesetzliche Automatismen ersetzt werden. Wer glaubt, durch rechtliche Kniffe mehr Organe zu gewinnen, verkennt die Ursachen des Mangels. Die Defizite liegen im System: in den Kliniken, in den Meldewegen sowie in der Organisation und Finanzierung der Transplantationsmedizin – nicht im fehlenden staatlichen Zugriff auf den Körper der Bürger. Wer Leben retten will, muss dort investieren, wo echter Fortschritt entsteht: in medizinische Forschung, Innovation und Entwicklung. Das Züchten von Ersatzorganen im Labor wäre ein ethisch sauberer, nachhaltiger und zukunftsweisender Weg. Freiheit und Menschenwürde dürfen nicht zur Verfügungsmasse reiner Symbolpolitik werden.

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