Jozef Rakicky zu Windkraft und Denkmalschutz: „326 Denkmäler im Nahbereich von Windkraftanlagen – Landesregierung erklärt Schutzstrategie für überflüssig“


Aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Jozef Rakicky (Drucksache 19/11075) geht hervor: 326 geschützte Denkmäler befinden sich weniger als 1000 Meter von Windenergieanlagen entfernt, die seit 2024 genehmigt wurden. Dennoch wurde bis April 2026 kein Windkraftprojekt wegen Konflikten mit dem Denkmalschutz oder historischen Kulturlandschaften ganz oder teilweise abgelehnt. 


Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, fraktionsloser Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag:


„Kein einziges Windkraftprojekt wurde wegen des Denkmalschutzes auch nur teilweise abgelehnt. Das wirft die Frage auf, ob hier tatsächlich ergebnisoffen abgewogen wird oder ob das Ergebnis politisch längst feststeht: Die Windkraft setzt sich durch, der Denkmalschutz muss sich einfügen.

Wie diese Abwägung in der Praxis aussieht, zeigt Schloss Marienburg. Die drei genehmigten Anlagen des Windparks Schulenburg III sollen in Entfernungen von lediglich rund 992, 1403 und 1590 Metern zum Schloss stehen. Die Landesregierung erkennt eine optische Beeinträchtigung ausdrücklich an, erklärt sie aber für nicht erheblich.

Im Umkreis von fünf Kilometern um Thomasburg stehen bereits neun Windräder, weitere 25 sind geplant. Besondere Maßnahmen zur Konfliktlösung wurden dort nicht ergriffen; der Landkreis verweist dabei auch auf personelle Schwierigkeiten. Für 25 weitere Windräder reichen offenbar Planungskraft und Fläche – für die Bewältigung der daraus entstehenden Konflikte fehlt das Personal. Niedersachsen braucht verbindliche Schutzkriterien für Denkmäler sowie frühzeitige Konfliktlösungen in besonders betroffenen Gemeinden. Die Energiewende darf nicht zum Freibrief werden, historische Landschaften und identitätsstiftendes Kulturgut Anlage für Anlage zu entwerten.“

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