Im niedersächsischen Asendorf hat die letzte Hausarztpraxis geschlossen. Noch vor fünf Jahren gab es in dem 2.800-Einwohner-Ort drei Praxen. Wie der NDR berichtet, sind landesweit derzeit 436 Hausarztsitze unbesetzt. In Niedersachsen arbeiten 5241 Hausärzte mit einem Durchschnittsalter von rund 56 Jahren. Nach Berechnungen der Kassenärztlichen Vereinigung müssen für jeden ausscheidenden Hausarzt 1,6 neue Ärzte nachrücken. Über die niedersächsische Landarztquote werden jährlich 60 Studienplätze vergeben; mit den ersten Absolventen rechnet Gesundheitsminister Andreas Philippi im Jahr 2035.
Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, fraktionsloser Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag:
„Asendorf ist kein Einzelfall, sondern ein Blick in die Zukunft vieler niedersächsischer Gemeinden. Philippi erwartet die ersten Absolventen der Landarztquote ausgerechnet 2035 – in dem Jahr, in dem die hausärztliche Versorgung ihren Tiefpunkt erreichen soll. Das ist keine Vorsorge, sondern politische Sterbebegleitung für den ländlichen Raum. 2035 ist kein Plan, sondern Kapitulation mit Termin. Die Landarztquote ist das Feigenblatt einer Politik, die den Ärztemangel selbst produziert. Junge Menschen müssen sich vor der ersten Vorlesung auf eine Fachrichtung und ihre spätere Tätigkeit festlegen. Im Saarland klagen nun erstmals zwei Studenten gegen ihre Verträge und die drohenden Strafzahlungen von bis zu 250.000 Euro; bundesweit sind 28 Verfahren anhängig. Das zeigt den Konstruktionsfehler: Aus einem Studienangebot wird eine berufliche Zwangsjacke. Wer mehr Ärzte will, muss mehr öffentlich finanzierte Studienplätze schaffen und den Numerus clausus sowie realitätsferne Eignungstests abschaffen. Die Allgemeinmedizin wird durch weniger Bürokratie, verlässliche Vergütung und Unterstützung bei Praxisgründung und -übernahme attraktiv – nicht durch Zwangsverträge. Wenn Rot-Grün weiter auf 2035 vertröstet, wird Asendorf nicht der letzte Ort bleiben, in dem die hausärztliche Versorgung verschwindet.“

