Neun von elf Fragen beantwortet die Landesregierung mit Nichtwissen – und das seit mindestens drei Jahren. Bis heute kann sie keinen einzigen Fall einer Behandlung Minderjähriger mit Pubertätsblockern beziffern. Sie kennt weder Zahl und Alter der Betroffenen noch eingesetzte Präparate, Kosten oder Behandlungsverläufe. Auch wie viele Minderjährige anschließend gegengeschlechtliche Hormone erhielten, weiß sie nicht. Das geht aus ihrer Antwort auf eine Anfrage des fraktionslosen Abgeordneten Jozef Rakicky hervor (PDF anbei).
Dazu MUDr. PhDr. / Univ. Prag Jozef Rakicky, fraktionsloser Abgeordneter im Niedersächsischen Landtag:
„Die Landesregierung hat ihr Nichtwissen zum Regierungsprinzip gemacht. Bereits auf meine Anfrage im Jahr 2023 (Drucksache 19/1142) musste sie einräumen, dass ihr grundlegende Fallzahlen fehlen. Drei Jahre später hat sie diese Wissenslücke noch immer nicht geschlossen. Inzwischen weiß sie angeblich sogar weniger als noch 2023: Damals benannte sie mögliche Nebenwirkungen wie emotionale Labilität, Kopfschmerzen und eine Abnahme der Knochendichte. Heute will sie weder hierzu noch zu mittel- und langfristigen gesundheitlichen Folgen Informationen besitzen. Diese Regierung gewinnt keine Erkenntnisse – sie verliert sie.
Vollends untragbar wird der Vorgang beim Umgang mit den Kosten. Ein Kostenträger hat Arzneimittelausgaben übermittelt, doch die Landesregierung legt die Zahlen nicht offen. Wo Daten fehlen, werden sie nicht erhoben. Wo Daten vorliegen, werden sie zurückgehalten. Das ist keine Transparenzlücke, sondern systematische Intransparenz.
Minderjährige dürfen keine Versuchsfälle eines Versorgungssystems sein, das weder erfasst, was verordnet wird, noch in welchem Alter und mit welchen Folgen behandelt wird. Die Landesregierung muss unverzüglich gemeinsam mit den Krankenkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung eine anonymisierte Landesstatistik zu Fallzahlen, Alter, Präparaten, Kosten und weiteren Behandlungsverläufen einführen. Sämtliche bereits vorliegenden Kostendaten müssen auf den Tisch. Darüber hinaus brauchen wir eine unabhängige wissenschaftliche Langzeitbeobachtung sowie verbindliche und überprüfbare fachärztliche und psychologische Mindeststandards.
Wer Behandlungen mit Pubertätsblockern politisch verteidigt, zugleich aber deren Ausmaß, Kosten und Folgen nicht einmal erfassen will, nimmt Risiken für Minderjährige sehenden Auges in Kauf. Das ist schlichtweg fahrlässig.“

